Ein Erfolgsmodell

07.06.10, 10:20:27 by dorotheeraeber

Beitrag für ffn und Radio 21:

Anmoderation:
Langzeitarbeitslosen helfen, die Innenstadt beleben und nachhaltig wirtschaften. In Hannover gibt es ein Unternehmen, das all diese Aspekte vereint. Dorothee Räber berichtet:

Beitrag
Ob Hertie oder Karstadt - so manches Warenhaus geriet in letzter Zeit in die Krise. Bei fairKauf ist das anders. Seit rund zweieinhalb Jahren schreibt das soziale Kaufhaus mitten in Hannovers Innenstadt schwarze Zahlen. Das Unternehmen nimmt gebrauchte Waren als Spenden entgegen und verkauft sie günstig weiter. So können Menschen mit wenig Geld einkaufen gehen. Und auch die, die bei fairKauf arbeiten, profitieren. Denn das sind zum großen Teil Langzeitarbeitslose. Sie kommen als Ein-Euro-Jobber oder auch als Praktikanten. Das angestrebte Ziel ist die Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. Geschäftsführerin Nicola Barke:
"Das ist in den ersten zwei Jahren ganz gut gelungen. Wir haben sehr viele von den Langzeitarbeitslosen selber einstellen können, so dass die sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze wieder gefunden haben. Da ist es halt so, dass wir jetzt nicht mehr so viele übernehmen können wie am Anfang."
Immerhin ist die Zahl der Beschäftigten von sieben auf 31 gestiegen. Daneben kooperiert fairKauf mit einer Zeitarbeitsfirma und hat nach eigener Einschätzung einen guten Namen bei anderen Einzelhändlern. So ergeben sich weitere Chancen für die Arbeitslosen, nach der Zeit im sozialen Kaufhaus einen Job zu finden. Im Bereich Einzelhandel ist das allerdings etwas schwieriger als in Logistik- und Büroberufen. Jago Duckwitz ist zurzeit als Ein-Euro-Jobber Verkäufer bei fairKauf und tritt dort bei Kinderveranstaltungen als Clown auf. Er hat noch keine Aussicht auf eine reguläre Stelle. Aber:
"Das wichtigste für mich ist vor allem die Erfahrung, die ich dabei sammeln kann, die ich irgendwie nutzen kann, je nachdem, was dann passiert und kommt."
Die hohe Motivation ihrer Mitarbeiter sieht Nicola Barke als Vorteil sowohl für deren Jobsuche als auch für den Unternehmenserfolg:
"Das Engagement ist sehr hoch. Wenn jemand eine gute Idee hat, dann wird geguckt, ob wir die umsetzen können. Und die, die sich engagieren und drum kümmern, haben generell bessere Chancen als die, die hoffen, dass ihnen was zufällig über den Weg läuft."
Und offenbar fühlt sich auch die Kundschaft bei fairKauf gut beraten und behandelt. Denn neben denen, die froh sind, sich überhaupt etwas kaufen zu können, kommen viele Kunden einfach gerne, um in dem für sie attraktiven Angebot zu stöbern.
"Man kann hier sehr viele Anregungen bekommen. Ach, es gibt schöne Kleinigkeiten auch manchmal, Geschirre, sehr schöne Kleidung, Bilder, Rahmen, vor allen Dingen." "Alte Sachen mag ich sehr, Geschirr, Bücher und kleine Bastelsachen. Und ich hab vor, hier ehrenamtlich tätig zu werden. Ich hab mich schon angemeldet."
Das soziale Kaufhaus braucht Unterstützung nicht nur von ehrenamtlichen Helfern, sondern auch von Sachspendern und Mitgliedern der Genossenschaft, als die es organisiert ist. Grundsätzlich aber gilt: fairKauf ist ein Wirtschaftsunternehmen und finanziert seine sozialen Ziele aus eigenen Einnahmen. Weil das etwas Besonderes ist, gab es für fairKauf in den zweieinhalb Jahren seit der Gründung schon eine ganze Reihe Auszeichnungen.

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